Flüssiggas für zwei BHKW‘s auf der Fraueninsel Chiemsee

Der Wunsch nach energetischer Unabhängigkeit und erhöhter Umweltfreundlichkeit der Wärmeerzeugung waren der Antrieb zur Errichtung von 2 BHKW‘s auf der 620 m langen und 300 m breiten Fraueninsel im Chiemsee. Auftraggeber war das Kloster Frauenchiemsee. Das Kloster prägt seit Jahrhunderten durch seinen großen baulichen Komplex das Erscheinungsbild der Insel.

Die Eigentümer dachten schon länger darüber nach, den Energieträger Öl zu wechseln, um die Gebäude umweltfreundlicher zu beheizen. Diskutiert wurde z.B. eine Hackschnitzelheizung für das Kloster. Diese Option war auch aufgrund der besonderen Anlieferbedingungen letztlich für die ganze Insel angedacht. Es fehlte jedoch der Platz für ein solches Vorhaben und die Pläne wurden verworfen. Zudem wollten die Eigentümer des Klosters erst eine gründliche energetische Sanierung der Gebäude vornehmen, bevor sie sich für eine neue Heizungsanlage entscheiden wollten. Oberstes Ziel bei der Wahl der neuen Heizungsart sollte jedoch eine umweltfreundliche Energieunabhängigkeit des Klosters sein.

Nachdem mit großer eigener Kraftanstrengung, beträchtlichen Eigenmitteln und Förderung durch den Freundeskreis die Sanierung der Gebäude geschafft war, gingen die Eigentümer auf die Suche nach einer optimalen Lösung zur Beheizung der großen Flächen. Schon bald fanden sie die Lösung: den Heizungsumbau auf eine mit Flüssiggas betriebene Blockheizkraftwerkanlage (BHKW), am Ende bestehend aus 2 BHKW‘s. Diese Möglichkeit half nicht nur, den CO2- Ausstoß bedeutend zu verringern, sondern ermöglichte gleichzeitig, die Kosten für den eigenen Strom deutlich zu senken. Der Stromüberschuss, der produziert werden würde, bot zusätzlich sogar noch die Möglichkeit, diesen ins Netz einzuspeisen und Geld dafür zu erhalten.

Das erste Bockheizkraftwerk (BHKW) ging 2018 ans Stromnetz. Das Kloster hatte gute Erfahrungen mit dem BHKW gemacht und realisierte schnell, dass jeder Tag, an dem das BHKW lief, Geld eingespart werden konnte. So wurde der Bau des zweiten BHKW in Angriff genommen. Glücklicherweise half das Geld aus einer überraschenden Erbschaft zusätzlich bei der schnellen Realisierung des Vorhabens. Ende 2019 ging dann auch schon das zweite Blockheizkraftwerk ans Netz. Schnell wurde den Eigentümern klar, dass sie das angestrebte Ziel der Energie-Autarkie erreicht hatten. Jetzt waren sie energieunabhängig.

Projektbeschreibung

Kernstück der neuen Heizanlage sind zwei Blockheizkraftwerke (BHKWs). Energieträger für die zwei BHKWs ist Flüssiggas. Auf der Insel gibt es wenig Platz für flächenintensive Energielagerung und keine Möglichkeit der Erdgasversorgung. So ist Flüssiggas als kompakte, mobile Energie in diesem Fall der perfekte Energieträger.

Zur Versorgung des ersten BHKWs wurde eine Interimslösung für die Flüssiggas-Lagerung geschaffen: zwei provisorische, oberirdische Tanks. Mit Realisierung des zweiten BHKWs wurde diese Lösung jedoch zunehmend unwirtschaftlich, da durch die kleine Lagerkapazität in kurzen Intervallen Flüssiggas nachliefert werden musste. Das bedeutete erhöhte Kosten für die Autofähre, denn das Flüssiggas musste, wie alles andere mit der Fähre aufwendig auf die Insel gebracht werden. Dieser Zustand war nicht nur teuer, sondern barg auch die Gefahr von Versorgungsengpässen, zum Beispiel bei witterungsbedingten Einschränkungen des Fährbetriebs. Diese Situation musste für einen sicheren Betrieb der Anlage entschärft werden. Die Lösung war die Installation eines größeren Flüssiggas- Tanklagers.

Projektumsetzung

Im Herbst 2019 realisierte die WESTFA den Einbau eines unterirdischen Flüssiggastanks hinter den alten Klostermauern. Ausschlaggebend war das hohe Fassungsvermögen des erdgedeckten Tanks mit einem Tankvolumen von 30 Tonnen Flüssiggas.

Die größte Herausforderung bei diesem Projekt war die Überführung des großen sperrigen Flüssiggastank als LKW-Ladung mit der Fähre. Viele Akteure wurden professionell koordiniert, damit der LKW in den frühen Wintermorgenstunden 2019 mit der außergewöhnlichen Ladung den Weg über den Chiemsee nehmen konnte.

Die Interimsversorgung, bestehend aus zwei kleinen oberirdischen Flüssiggastanks, wurde demontiert und durch den großen erdgedeckten Flüssiggastank (Volumen von 57 Kubikmeter Flüssiggas) ersetzt. Der Tank wurde mittels eines leistungsstarken Krans über die Klostermauer in die vorbereitete Baugrube eingehoben. Nach Beendigung der Tiefbauarbeiten und Anschluss der Gasleitungen gingen die beiden Blockheizkraftwerke Anfang Dezember 2019 wieder ans Netz. Durch den neuen Tank werden besonders Fährkosten eingespart. Dank des großen Tankvolumens bietet die Anlage einen größeren Energiepuffer, falls die Insel aus wetterbedingen Gründen nicht beliefert werden kann.

Damit ist die Energie-Autarkie der Klosteranlage gesichert.

Das Kloster mietet den 30 Tonnen-Flüssiggastank dank einer kostengünstigen Möglichkeit bei der WESTFA an. Damit konnten die Investitionskosten nochmals deutlich gesenkt werden und die Verantwortlichen haben mehr finanziellen Spielraum für andere Maßnahmen gehabt.

STECKBRIEF

Referenzstandort
Klosteranlage Frauenchiemsee

Projektbeschreibung
Ablösung einer provisorischen Gasversorgung durch einen größeren Flüssiggastank

Gegebenheiten vor Ort
Zwei BHKW zur Beheizung der Gebäude sowie zur Stromerzeugung

Projektumsetzung
Transport und Installation eines erdgedeckten 30 to. Flüssiggastanks

Versorgung
Flüssiggas aus einem erdgedeckten Tank

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